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Von allen Regionen der Welt hat Europa den höchsten Bevölkerungsanteil im Alter von 65 Jahren und mehr. Es wird in dieser Hinsicht noch bis weit in das 21. Jahrhundert den globalen Spitzenplatz belegen. Jedoch werden in den nächsten Jahrzehnten auch andere Regionen beginnen, mit einer wesentlich höheren Geschwindigkeit zu altern; der prozentuale Anteil der über 65-jährigen an der Bevölkerung in Asien, Lateinamerika und Karibik sowie im Nahen Osten und Nordafrika wird sich bis 2050 mehr als verdreifacht haben (siehe obige Abbildung). ALTERUNG WIRFT DRÄNGENDE POLITISCHE FRAGEN AUF Diese Verschiebungen in der globalen Altersstruktur betreffen einige Bereiche in besonderem Maße, in denen politische Entscheidungsträger deshalb ein klareres Bild von den Auswirkungen der Alterung und der Funktionsweise verschiedener politischer Maßnahmen benötigen. Im folgenden soll auf einige dieser Bereiche näher eingegangen werden. Als Quintessenz betont die NRC-Expertenkommission immer wieder, dass wir nur unzureichende Daten besitzen, um ein solch klares Bild zu erhalten. Arbeit, Ruhestand und Renten Eine der dramatischsten Entwicklungen der letzten 40 Jahre ist der Rückgang der Erwerbstätigkeit bei älteren Menschen in vielen Teilen der Welt. Öffentliche Rentensysteme haben in vielen Ländern für ältere Erwerbstätige Anreize geschaffen, früh in den Ruhestand zu gehen, und haben dadurch die finanziellen Probleme durch die Alterung noch verschärft. In letzter Zeit hat in den Rentensystemen vieler Länder ein partieller Übergang vom Umlage- zur Kapitaldeckungsverfahren stattgefunden. Es ist wichtig, sowohl die Anreize, vorzeitig aus dem Erwerbsleben auszuscheiden, abzubauen, als auch eine engere Abstimmung zwischen öffentlicher und privater Altersvorsorge zu gewährleisten. Viele Entwicklungsländer, die derzeit ihre Rentensysteme planen, die sowohl öffentliche als auch private Bestandteile besitzen, haben nun die Möglichkeit, von den Erfahrungen aus der Entwicklung weiter vorangeschrittener Nationen zu lernen. Privates Vermögen und Einkommenssicherheit Einkommenssicherheit im Ruhestand--mittlerweile für viele Menschen ein zunehmend längerer und wichtigerer Lebensabschnitt--ist eine bedeutende Sorge in entwickelten Gesellschaften. Die Gewährleistung von Einkommenssicherheit hat die Politik vor zwei grundlegende Herausforderungen gestellt: (1) zu garantieren, daß jeder Einzelne im Ruhestand über ein Einkommen verfügt, das ausreicht, eine starke Senkung des Lebensstandards zu vermeiden (2) ältere Menschen vor finanziellen Risiken zu sichern. Politische Entscheidungsträger brauchen daher bessere Angaben über das ökonomische Verhalten älterer Menschen, wie z.B. ob sie weiterhin sparen oder anfangen zu "entsparen". Transfersysteme Das ökonomische und psychische Wohlbefinden älterer Menschen ist abhängig vom komplexen System der Geld- und Realtransfers. Dazu gehören nicht nur die sozialen Sicherungssysteme, die den Geldtransfer von Erwerbstätigen zu Personen im Ruhestand regeln, sondern auch die individuelle Ersparnis und das Verhalten der Familie. Trotz beträchtlicher Fortschritte gibt es weiterhin Lücken in unserem Verständnis dieser Transfersysteme. Vor allem Verflechtungen zwischen den verschiedenen Systemen bedürfen genauerer Untersuchungen, um ein klareres Bild davon zu erhalten, welche Auswirkungen Veränderungen in einem System (so z.B. öffentliche Renten) auf andere (z.B. Hilfe seitens der Familie) haben und um spezifische Fragen besser beantworten zu können, wie z.B. ob öffentlich finanzierte Programme private oder innerfamiliäre Transfers verdrängen. Gesundheit Die Gesundheit ist ein entscheidender Faktor im Wohlergehen einer älteren Bevölkerung. Sie hat Einfluß auf die Entwicklungen in allen anderen Politikbereichen, die durch Alterung betroffen sind. Nach neuesten empirisch Erkenntnissen sinkt das Auftreten von Behinderungen, was nahelegt, daß mehr ältere Menschen länger und gesünder leben. Während sich einerseits alle Länder gleichermaßen auf die sich wandelnden Bedürfnisse einer älteren Bevölkerung im Gesundheitsbereich einstellen müssen, verdeutlicht die Breite des Spektrums nationaler Gesundheitssysteme den Wert vergleichbarer internationaler Querschnittsdaten über Qualität und Erfolge der Gesundheitsfürsorge--Daten, die in der Form bislang nicht verfügbar sind. Lebensqualität Über einzelnen Problemen der finanziellen und gesundheitlichen Situation älterer Bevölkerungen steht zusammenfassend die Frage des Wohlergehens und der Lebensqualität - und zwar nicht nur im hohen Alter, sondern über die gesamte Lebensspanne von Geburt bis Tod. Unser Verständnis dieses Bereiches würde sehr von Messungen subjektiven Wohlergehens profitieren, die sensibel auf Veränderungen während bedeutender biographischer Einschnitte (wie z.B. die Verrentung) reagieren. INTERNATIONAL VERGLEICHENDE FORSCHUNG KANN ÜBER DIE WIRKUNG POLITISCHER MASSNAHMEN INFORMIEREN Um diese Lücken zu füllen, empfahl die NRC-Expertenkommission die internationale Koordination von Datenerhebung und Forschung, die ermöglicht, Ressourcen zu bündeln und die Erfahrungen aller Länder gemeinsam zu nutzen. Insbesondere benannte die Kommission die folgenden Maßnahmen für eine effiziente Gestaltung der Forschung über Alterung:
DAS ZEITFENSTER WIRD KLEINER Der Bericht der Expertenkommission betont, daß die vollen Konsequenzen der globalen Alterung erst in Jahrzehnten spürbar werden. Damit haben die Staaten Zeit, Forschungsinstrumente zu entwickeln und einzusetzen, um die für zukünftige politische Entscheidungen nötigen Informationen verfügbar zu machen. Diese Zeit darf nicht verspielt werden, denn es ist ein beträchtlicher Zeitaufwand notwendig, um diejenigen Daten zu sammeln und zu interpretieren, die ein besseres Verständnis der verzweigten Problematik der Alterung zu ermöglichen. Die Staaten müssen daher zügig handeln und rechtzeitig Strategien zur Gewinnung politisch relevanter Informationen entwickeln, um eine globale "Alterungskrise" zu vermeiden.
RB-5058/1 (2002) Im Rahmen seines Auftrags, wichtige Ergebnisse der Bevölkerungsforschung zusammenzutragen und zu verbreiten, verfaßte das Population Matters Program der RAND Corporation diesen Kurzbericht in Abstimmung mit dem NRC. RAND-Kurzberichte fassen Forschungsergebnisse zusammen, die an anderer Stelle ausführlich dokumentiert worden sind. Anders als in den meisten RAND-Kurzberichten werden in diesem Bericht Aktivitäten dargestellt, die außerhalb des RAND stattgefunden haben, in diesem Falle durch den National Research Council (NRC). Die Übersetzung dieses Berichtes erfolgte am Mannheim Research Institute for the Economics of Aging (MEA). Der vollständige NRC-Bericht Preparing for an Aging World: The Case for Cross-National Research, ISBN: 0-309-07421-5 (pb), ist erhältlich bei National Academic Press, 2101 Constitution Avenue, N.W., Washington DC 20418, oder www.nap.edu. Die NRC-Studie wurde vom Behavioral and Social Research Program des National Institute on Aging getragen. Eine CD-ROM, die den vollständigen Text des NRC-Berichtes Preparing for an Aging World: The Case for Cross-National Research sowie 11 weitere Berichte des NRC für das National Institute on Aging enthält, ist erhältlich beim Behavioral and Social Sciences Program, National Institute on Aging, 7201 Wisconsin Avenue, Room 533, Bethesda, MD 20892. Population Matters wird unterstützt durch die William and Flora Hewlett Foundation, die David and Lucile Packard Foundation, die Rockefeller Foundation und den United Nations Population Fund. Veröffentlichungen und sonstige Informationen über das Projekt Population Matters sind auf www.rand.org/ labor/popmatters erhältlich. Veröffentlichungen des RAND können von RAND Distribution Services (Tel: (1)310-451-7002 oder (1)877-584-8642 (gebührenfrei); Fax: (1)310-451-6915; E-mail: order@rand.org; Internet: www.rand.org/publications/order) angefordert werden. Dieser Kurzbericht ist auch als Printversion erhältlich. Die RAND (Research and Development) Corporation in Santa Monica, California, ist eine gemeinnützige Einrichtung, die Politik und öffentliche Willensbildung durch Forschung und Analysen unterstützt. Die Veröffentlichungen der RAND Corporation decken sich nicht notwendigerweise mit den Meinungen oder Grundsätzen seiner Förderer. RAND" ist eine geschützte Handelsmarke. Das MEA (Mannheim Research Institute for the Economics of Aging) ist ein Forschungsinstitut der Fakultät für Volkswirtschaftslehre in der Universität Mannheim. Es wird zu gleichen Teilen vom Land Baden-Württemberg und dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft getragen.
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